1. Durchschnitt
Zu jedem Tag t zählen alle Umfragen, die bis dahin veröffentlicht sind und deren Befragung in den letzten 30 Tagen endete. Nach einer Wahl zählen nur Umfragen, die danach erhoben wurden. In den Ländern gibt es oft nur wenige Umfragen; dort wächst das Fenster auf 90, 180 oder 365 Tage, bis mindestens drei Umfragen darin liegen. Die Seite sagt immer, wie weit sie zurückreicht.
Gewicht = 0,5^(Alter / H) · √(min(Befragte, 5 000) / 1 000) / Umfragen des Instituts im Fenster
H = Fenster / 3 (10 Tage bei 30 Tagen)- Ältere Umfragen zählen weniger (Halbwertszeit), größere Stichproben mehr – aber nur mit der Wurzel und gedeckelt bei 5 000 Befragten.
- Ohne veröffentlichte Befragtenzahl rechnen wir mit 1 000.
- Jedes Institut zählt gleich viel: Veröffentlicht ein Institut dreimal im Fenster, teilen sich diese drei Umfragen das Gewicht einer einzigen.
- Weist ein Institut eine Partei nicht einzeln aus, zählt diese Umfrage für die Partei nicht – sie wird nicht als 0 gewertet.
- „Sonstige“ ist der Rest zu 100 Prozent.
2. Unsicherheit
Jede Umfrage hat einen Zufallsfehler. Weil Umfragen erfahrungsgemäß stärker streuen als reine Zufallsstichproben (Gewichtung, Nichterreichbarkeit), verdoppeln wir die Stichprobenvarianz (Designfaktor D = 2). Das ist eine offen genannte Annahme.
σ² je Umfrage = D · p · (100 − p) / Befragte
Varianz des Durchschnitts = Σ (normiertes Gewicht)² · σ²
Schatten = Durchschnitt ± 1,96 · √Varianz (95 %)Kopf an Kopf heißt: Der Abstand der beiden Stärksten ist kleiner als seine eigene Unsicherheit. Weil zwei Anteile aus derselben Umfrage gegenläufig schwanken, rechnen wir mit σ²(A − B) = D · (a(100−a) + b(100−b) + 2ab) / n.
3. Echte Bewegung ✕
Bundestag: Wir vergleichen mit dem Durchschnitt vor 30 Tagen. Weil sich die beiden 30-Tage-Fenster nicht überschneiden, sind sie unabhängig. Eine Bewegung ist echt, wenn |Änderung| > 1,96 · √(sd heute² + sd vor 30 Tagen²). Länder: Vergleich mit dem amtlichen Ergebnis der letzten Wahl, das keinen Stichprobenfehler hat. Alles darunter nennen wir Rauschen.
4. Hauseffekte
Manche Institute sehen eine Partei dauerhaft etwas höher oder tiefer als die anderen. Wir berechnen das aus den Bundestagsumfragen der letzten 12 Monate:
- Für jede Umfrage: Abweichung vom Durchschnitt aller Institute im Fenster ± 15 Tage, bereinigt um die bisher geschätzten Hauseffekte.
- Hauseffekt = Summe der Abweichungen / (Zahl der Umfragen + 2). Der Zusatz zieht Institute mit wenigen Umfragen zu 0.
- Je Partei um den Mittelwert aller Institute zentriert, dreimal wiederholt. Gezeigt ab 3 Umfragen.
Die Hauseffekte ziehen wir vor dem Mitteln ab. Sie sind relativ zum Durchschnitt, kein Urteil über richtig oder falsch: Welches Institut näher am Ergebnis liegt, zeigt erst die Wahl. Für den ganzen Verlauf nutzen wir die Hauseffekte der letzten 12 Monate. In den Ländern gibt es dafür zu wenige Umfragen – dort mitteln wir unbereinigt.
5. Sitze
Sitze verteilen wir nach Sainte-Laguë (Höchstzahlen mit den Divisoren 1, 3, 5, …) unter den Parteien mit mindestens 5 %. Das ist rechnerisch dasselbe wie das Divisorverfahren mit Standardrundung, mit dem die Bundeswahlleiterin rechnet. Unser Test trifft die Oberverteilung der Bundestagswahl 2025 exakt (SPD 120, CDU 164, Grüne 85, AfD 152, CSU 44, Linke 64, SSW 1; Quelle: Bundeswahlleiterin, Heft 3, Tabelle 6.1.1).
- Für Parteien nationaler Minderheiten gilt die Hürde nicht: SSW im Bundestag und im Landtag Schleswig-Holstein.
- Grundmandate (Direktmandate) modellieren wir nicht – Umfragen messen keine Wahlkreise.
- Länder: gleiche Rechnung auf die Sitzzahl des amtierenden Landtags laut Wahlleitung. Das Landeswahlrecht kann ein anderes Verfahren vorsehen oder Überhang- und Ausgleichsmandate vergeben; dann weichen einzelne Sitze ab.
- Sitzordnung im Saal von links nach rechts: Linke · BSW · SPD · SSW · Grüne · FDP · Freie Wähler · BIW · CDU/CSU · AfD. Das ist eine Darstellung, keine Einordnung.
6. Koalitionen und Simulationen
Wir ziehen 2 000-mal Werte, die der Durchschnitt mit seiner Unsicherheit zulässt (Normalverteilung je Partei, auf 100 % normiert), und verteilen jedes Mal die Sitze. Daraus entstehen die Einzugschance kleiner Parteien, die Mehrheitswahrscheinlichkeit jeder Koalition und die Spanne der Sitze (95 % der Ziehungen). Der Zufall hat einen festen Startwert je Tag, damit alle dieselben Zahlen sehen.
Die Simulationen beschreiben, wie sicher der heutige Durchschnitt ist – sie sind keine Prognose für den Wahltag. Die Liste zeigt alle rechnerischen Mehrheiten aus bis zu drei Parteien, unabhängig davon, ob die Parteien miteinander regieren wollen. Vorausgewählt ist nur die stärkste Partei.
7. Treffsicherheit der Institute
Für jede Wahl mit amtlichem Ergebnis nehmen wir von jedem Institut die letzte Umfrage, deren Befragung in den 30 Tagen vor dem Wahltag endete, und bilden die mittlere absolute Abweichung über alle Parteien, die in Umfrage und Ergebnis einzeln stehen. Ein Vergleich je Institut erscheint erst ab drei Wahlen. Umfragen sind Momentaufnahmen; Entscheidungen in den letzten Tagen gehen mit ein. Zur Übersicht
8. Daten und Lizenz
Alle Umfragen stammen aus der freien Datenbank von dawum.de (API), veröffentlicht unter der Open Database License (ODbL). Wir laden sie alle 15 Minuten neu.
Unsere Durchschnitte, Unsicherheiten und Hauseffekte sind eine abgeleitete Datenbank. Sie steht deshalb ebenfalls unter der ODbL und ist frei als JSON abrufbar – mit Lizenzangabe und Quelle:
- bundestag.json · bundestag.csv – Deutscher Bundestag
- baden-wuerttemberg.json · baden-wuerttemberg.csv – Landtag von Baden-Württemberg
- bayern.json · bayern.csv – Bayerischer Landtag
- berlin.json · berlin.csv – Abgeordnetenhaus von Berlin
- brandenburg.json · brandenburg.csv – Landtag Brandenburg
- bremen.json · bremen.csv – Bremische Bürgerschaft
- hamburg.json · hamburg.csv – Hamburgische Bürgerschaft
- hessen.json · hessen.csv – Hessischer Landtag
- mecklenburg-vorpommern.json · mecklenburg-vorpommern.csv – Landtag Mecklenburg-Vorpommern
- niedersachsen.json · niedersachsen.csv – Niedersächsischer Landtag
- nordrhein-westfalen.json · nordrhein-westfalen.csv – Landtag Nordrhein-Westfalen
- rheinland-pfalz.json · rheinland-pfalz.csv – Landtag Rheinland-Pfalz
- saarland.json · saarland.csv – Landtag des Saarlandes
- sachsen.json · sachsen.csv – Sächsischer Landtag
- sachsen-anhalt.json · sachsen-anhalt.csv – Landtag von Sachsen-Anhalt
- schleswig-holstein.json · schleswig-holstein.csv – Schleswig-Holsteinischer Landtag
- thueringen.json · thueringen.csv – Thüringer Landtag
9. Amtliche Wahlergebnisse und Termine
Referenzwerte (◆) und Sitzzahlen stammen ausschließlich von den Wahlleitungen. Künftige Wahltermine: Bundeswahlleiterin (genaue Daten erst nach offizieller Bekanntgabe).
Gewinne und Verluste („±“) vergleichen die letzte Wahl mit der Wahl davor zum selben Parlament, in derselben Stimmart. Wir rechnen sie aus den amtlichen Stimmenzahlen (Parteistimmen ÷ gültige Stimmen) und runden erst die Differenz auf eine Stelle – so stimmen sie mit den Angaben der Wahlleitungen überein. Wahlbeteiligung = Wählende ÷ Wahlberechtigte. „neu“ heißt: Die Partei trat bei der Wahl davor nicht an. Vorwahlen der Länder: Bundeswahlleiterin, Ergebnisse früherer Landtagswahlen; Bundestagswahl 2021: Bundeswahlleiterin.